Erfahrungen zum Studium Business Management in Agriculture and Food an der HAS Fachhochschule

Anna van Heek

Das Studium aus deutscher Sicht

Mein Name ist Anna van Heek, 19 Jahre und Studentin an der HAS in Venlo. Ich studieren seit dem letzten Jahr Business Management in Agriculture and Food (vorher: International Farm Management).

Ich selbst komme von einem Milchviehbetrieb in Kleve und interessiere mich auch für Landwirtschaft, aber ich möchte in Zukunft nicht nur auf einem Hof arbeiten, dafür habe ich zu gerne Kontakt mit Menschen. Letztes Jahr habe ich an einer Schule Flüchtlinge unterrrichtet und danach ein Praktikum an einer Fachschule für Landwirtschaft gemacht und mich für dieses Studium entschieden. Mein Berufswunsch ist Lehrerin für Landwirte zu werden um beide Bereiche zu kombinieren. In Deutschland kann man direkt in die Richtung auf Lehramt studieren, aber dann sind die Praxisanteile geringer und alles ist vorgegeben. Hier kann ich meine eigenen Vorstellungen einbringen und im 3. Und 4. Jahr sogar ganz selbst planen zu welchem Anteil meine Berufsvorstellung umgesetzt werden kann. Das Studium beinhaltet den wirtschaftlichen Aspekt im Bereich Management und Finanzierung und den Bereich der Landwirtschaft. Dabei wird die ganze Produktionskette vom Hof bis zum Supermarkt betrachtet. Zusätzlich wird ein Augenmerk auf die persönlich Entwicklung gelegt, was nur in diesen kleinen Klassen und dem familiären Umfeld möglich ist.

In meinem Studiengang sind nur 7 Leute, weshalb es wirklich sehr persönlich ist. Dadurch kann auch der Unterricht persönlich gestaltet werden. Beispielsweise werden "eigene" Projekte vermarktet mit Websites und Marktanalysen und einzeln mit dem jeweiligen Dozenten besprochen. Generell wendet man sich bei Fragen direkt an den Dozenten. Diese werden in Holland überlicherweise geduzt, woran man sich erst gewöhnen muss. Ein Fach, das für mich besonders die niederländische Unterrichtsart darstellt ist PBL. Ein Problemfall wird vorgestellt und die Gruppe muss dann an einer Lösung arbeiten. Dies geschieht, indem alle beteiligten um einen Tisch sitzen und diskutieren. Dabei werden Rollen wie in Unternehmen eingenommen. Einer ist Chef, einer Schriftführer und die anderen Berater. Die Fälle sind alle aus dem landwirtschaftlichen Bereich.

Schon im zweiten Semester wird diese Methode, die als Vorbereitung auf eine echte Studie gemacht wurde auf ein wirliches Projekt von einem realen Bauernhof ausgeweitet. Um auch das Wissen aus den anderen Fächern anwenden zu können, ist im zweiten Semester ein Praktikum von zwei Tagen pro Woche geplant. Im dritten Jahr folgen weitere Praktika im In- und ebenfalls im Ausland.

Schon im ersten Semester haben wir viele Betriebe besucht. Im Frühjahr werden wir nach Spanien fahren um einen internationaleren Blick zu bekommen. Somit kann ich sagen, dass der Praxisanteil kaum höher sein könnte. Gerade im Bereich der Landwirtschaft halte ich dies aber auch für besonders wichtig.

Die Dozenten der Hochschule sind alle sehr freundlich und ich schätze sehr, dass die Meisten schon in hohen Positionen in Unternehmen gearbeitet haben und somit viel Erfahrung haben. Die Atmosphere ist sehr angenehm und unkompiziert und das Englsich der Dozenten ist meist sehr gut zu verstehen.

Die Ausstattung der Hohschule ist in Ordnung. Da wir nur wenig Studenten sind an diesem Standort, gibt es keine Mensa, aber die Lage in der Innenstadt ermöglicht uns in den Pausen kurz in der Stadt zu essen. Leider haben wir auch keine Bibliothek, was ich aber auch nachvollziehen kann. Die Studentenzahl ist wie erwähnt sehr klein. Des Weiteren ist in der Landwirtschaft vieles in der Entwicklung und daher nur aktuell interessant.

Leider gibt es jedoch an der Hochschule keine Parkplätze, was aufgrund der Innenstadt manchmal ein Problem darstellt. Man muss schon mal länger laufen. Dafür ist der Bahnhof aber ganz nahe gelegen. Der Studiengang ist auf englisch, wobei bei 5 Niederländern gerade in den Pausen sehr häufig ins holländische gewechselt wird. Für den einen Griechen im Kurs ist es daher manchmal schwer. Da ich selbst aus der Grenzregion komme verstehe ich Niederländisch zum Glück. Interessant sind unsere Unterhaltungen häufig für Außenstehende, weil ich auf Deutsch antworte. Es ist also ein ständiger Wechsel zwischen Englisch, Niederländisch und Deutsch.

Ich habe mir die Hochschule an einem Probetage im letzten Frühjahr angeguckt und mir da natürlich auch Venlo angeschaut. Ich wollte unbedingt ausziehen und auch in einen anderen Ort als Kleve, aber nur wenn mir dieser von der Atmosphere her eben auch gefällt und doch nicht zu weit weg ist. In Venlo habe ich das schon am Probetag gedacht und fühle mich auch sehr wohl. Hier ist zwar kein typisches Studentenleben, aber manchmal ist auch was los. Und was ich besonders angenehm finde ist die holländische Art. Beim Feiern gibt es manchmal einfach Häppchen wie Krokett oder Kaassoufle. Und ab Mitternacht hört man irgdenwelche Landeshymnenen, die sich alle nach Karnevalsliedern anhören, aber fröhlich mitgegröhlt werden.

Da ich aber in Kaldenkirchen in Deutschland wohne, bin ich nicht nur in den Niederlanden. Als Deutsche an der Grenze zu wohnen hat sowohl preisliche Vorteile, als auch den, dass man Versicherungswechseln und Umsiedlungsverfahren mit den bürokratischen Folgen ausweichen kann und trotzdem ganz nah an der Uni ist.

Meine Wohnung fand ich online auf irgendeiner WG-Seite und bisher hatte ich mit meiner WG Glück.

Das Gleiche behaupte ich bisher auch von meinem Studium. In Deutschland ist ein niederländischer Studiengang im landwirtschaftlichen Bereich gerne gesehen, da das Land als starkes agrarisches Land anerkannt wird und die Studiengänge einen guten Ruf haben.

Manchmal könnten wir ruhig mehr als nur 7 Leute sein, aber generell hat es Vorteile mit Wenigen. Gerade anderen Mädchen, die über das Studium nachdenken muss ich aber darauf hinweisen, dass der weibliche Anteil sehr klein ist. Ich bin die Einzige in meiner Klasse und in den niederländischen landwirtschaftlichen Studiengängen sind es auch nicht viel mehr. Die Dozenten geben sehr darauf Acht, dass es für mich als Mädchen alles in Ordnung ist und ich nicht ausgeschlossen werde, obwohl dies nicht nötig wäre. Ich komme damit gut klar, man sollte sich nur eben drauf einstellen.

Als weitere Anmerkung möchte ich nennen, dass die meisten Niederländer nicht zu Ihrem Studienort ziehen, sondern täglich pendeln. Das ist kein Problem, da in Venlo noch weitere Unis sind und man auch in Kaldenkirchen Studenten trifft, aber auch daran muss man sich erst gewöhnen. Anfangs kennt man nur seine Klasse, von der keiner da ist. Daher empfehle ich besonders für den Anfang eine WG.